ca. 10 000 wandern mit Hansi Hinterseer

seine Fans stürmen den Berg

 

Schon um kurz nach zehn pilgern tausende Fans mit Hansi-Shirts, Fahnen, Transparenten und allen anderen erdenklichen Fan-Utensilien zur Hahnenkammstation. Jeder will der erste oben auf dem Berg sein, es ist eine Gewimmel und Gedrängel wie in einem Ameisenhügel. Die Sonne brennt gnadenlos, am Himmel keine Wolke, aus den Boxen dröhnt ein Hansi Hinterseer-Hit nach dem anderen. Vor mir in der Schlange stehen sechs Franzosen, auf ihren Shirts prangt in roten Lettern: Hansi im Glück, Dein Fanclub aus dem Elsass. In dem Gedränge erkenne ich die unterschiedlichsten Nationalitäten: Deutsche, Österreicher, Dänen, Schweden, Franzosen, Tschechen – es scheint, dass Hinterseer Fans in ganz Europa hat. Da sag noch mal einer, dass Musik nicht völkerverbindend sei…

Fans aus ganz Europa
Nach einer dreiviertel Schlange stehn geht’s dann endlich rauf auf den Berg, den berühmten Hahnenkamm. Als mein Fotograf
Nikola Kuzmanic und ich aus der Gondel austeigen, fühlen wir uns wie auf dem Oktoberfest: überall schunkelnde, singende und gut gelaunte Menschen, Volksmusik bummert aus den Boxen. Das Tiroler Echo, quasi Hansis Hausband, heizt ein. Überall haben sich die verschiedenen Fangruppen in den Hang gesetzt, schwenken ihre Transparente. Alles wartet auf den Gastgeber. Auch eine Gruppe SUPERillu-Leser präsentiert die selbst gebastelten Hansi-Hinterseer-Herzen. Vera ist mit ihren Freundinnen Bärbel, Anneliese, Christa und Maria aus den Rauener Bergen angereist. Schon zum fünften Mal. „Unsere Männer sind auch dabei, unser Fanclub hat 14 Personen!“ erzählt sie stolz. Dann endlich, um 12.30 Uhr, kommt der Star der Veranstaltung. Riesenjubel brandet auf, als Hansi den Weg von der Gondel runter kommt und zum Mikro schreitet: „Schön, dass ihr alle da seid’s!“ begrüßt er die tosende Menschenmenge. Dann wird kurz die Route erklärt, obwohl das kaum nötig ist, da die meisten hier um uns rum Wiederholungstäter sind. Bevor es losgeht, warnt Hansi vor der Hitze: „Trinkt bloß genug!“ Und dann noch die obligatorische Bitte an die Fans, sauber zu bleiben. „Denkt dran, die Natur hier ist für uns gemacht, also behandelt sie bitte auch so. Wir verlassen den Berg so sauber, wie jedes Jahr. Damit dann wieder alle sagen: Ach, die Hansi-Fans waren wieder da und haben saubergemacht…“ Und tatsächlich – um es vorwegzunehmen – fünf Stunden später findet man im gesamten Gebiet nicht das kleinste Fitzelchen Papier. Wer einmal nach einem Rockkonzert oder einem Hertha-Spiel auf die Strassen rund um das Berliner Olympiastadion geblickt hat, der weiß dass das an ein wahres Wunder grenzt.

Gipfelsturm bei 35 Grad
Rund drei Stunden wird dann durch die traumhafte Landschaft gewandert, ein Tross aus jung und alt, schiebt sich wie eine riesige Raupe über die Wanderwege. Und die Sonne sengt, man sieht schon die ersten mit krebsroten Köpfen und vebrannten Nacken und Ohren… Mittendrin Hansi Hinterseer, weißes Hemd, blaue Jeans. Immer wieder kommt der Tross ins Stocken, Fans drängen auf den Weg, wollen ihr Idol berühren, fotografieren, anfassen. Da wird dann auch schon mal gestoßen und gerempelt, doch Hinterseer bleibt immer freundlich, hat stets ein Lächeln auf den Lippen: „Leut, macht’s langsam, tut’s euch nich weh…“
Nach Zwischenstationen am Bergsee und der Kapelle, wo Pfarrer
Joseph Haas eine Messe hält (Hansi spielt Ziehharmonika) geht’s dann zurück zur Gondel-Station. Dort bekommt Hinterseer Gold für seine neue CD »Komm mit mir« – schon bevor die CD überhaupt in den Läden ist…

Dann bedankt sich der Gastgeber nochmals bei seinen Fans, dann sind wir Journalisten dran. Kollegen aus Frankreich und Dänemark sind da, jeder will Fotos, Interviews. Um kurz nach 17 Uhr dann der Abstieg: zu Fuß die weltberühmt Streif runter. Nur eine Handvoll Fans geht diesen beschwerlichen und anstrengenden Weg mit. 3,2 Kilometer und gute 800 Höhenmeter sind zu überwinden. Schon nach wenigen Minuten brennen meine Oberschenkel, Hansi lacht, klopft mir auf die Schulter: „Ja, beim Skifahren damals ging’s einfacher, oder?“ In der Tat…

Abstieg und Anekdoten
Unterwegs erzählt er viele kleine Anekdoten aus seiner Jugend- und Skifahrerzeit. Er zeigt uns den Weg, den er zu Fuss damals zur Schule gegangen ist, zeigt uns, wo die gefährlichste Unfälle auf der Streif passiert sind und erklärt, wie viel Mut man braucht, um diesen Steilhang im Renntempo runterzurasen. Als ein Fan ihn fragt, ob er heute noch da runter fahren würde, grinst Hinterseer ihn an und sagt: „Bin i deppert?“ Kurz nach sechs haben wir dann endlich Kitzbühel erreicht: durchgeschwitzt, mit brennenden Füßen und Schmerzenden Oberschenkeln. Die meisten zumindest. Hinterseer selbst wirkt so frisch, als wäre er gerade von einem Mittagsspaziergang durch die Kitzbühler Fussgängerzone gekommen. „Also, servus, danke noch mal für Euer Kommen und bis morgen“ verabschiedet er sich. Dann braust er auf seinem Motorroller davon. Nach Hause, ausruhen. Morgen Abend ist das erste von zwei großen Open Air Konzerten. Die Mega-Party in Kitzbühel geht weiter.

Copy: Stefan Kobus - SUPERillu